Cosmoscreator II

URCOSMOS ZWEITER TEIL

2011

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Scénario (Zeichnungen, Konzept und Entwicklung einer eigenen Schriftart):
Anna-Sophie Jürgens
Text: Anna-Sophie Jürgens
Mise en scène (Layout, Typografie und Technik): Alexander Rapp

50 Seiten davon 26 ganzseitige Zeichnungen (schwarze Pigmenttusche), 9 Seiten Anhang mit Fußnoten, einem Pflanzen- und Pilzverzeichnis, einem Cosmo-Wörterbuch, Originalzitaten sowie einer Bibliographie und Nachwort.

THE URCOSMO RISES

Das Lachen ist ein kreativer Akt der Schöpfung, Ausdruck einer Gegenwelt und eine rituelle Potenz, was auch der zweite Teil des Urcosmoscreators manifestiert.

Mit dieser ungeheuren physiologischen Aktivität antwortet der Körper auf Chaos, Absurdität, Grenzsituationen oder fragwürdige Vorgänge seiner Umwelt. Es kann aber auch als Abfuhr psychischer Energien,  als Symbol von sexualisierter Leibverhaftetheit (Freud) verstanden werden; als Sichöffnen der ganzen Persönlichkeit durch den Schlund (Bachtin). Darüber hinaus sei betont, dass im körperlichen Akt des Lachens eine frühere Form des Essens und Einverleibens ersetzt sein könnte (Canetti) und das Lachen ursprünglich eine dem Zähnefletschen der Tiere ähnliche Verhaltensweise ist, die Aggression und Angriffswillen zeigt (nach Lorenz, Eibl-Eibesfeldt). In Bezug auf den Gott Dionysos als Gott des Lachens ist eben dies ein Symbol von Zerstückelung und Vereinigung, Tod und Geburt, von Chaos und Kosmos (Kott). Im Urcosmoscreator wird ein allmächtiger Kosmos durch Lachen geschaffen, und zwar von einem ‚allmächtigen’ Cosmoscreator.

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Der Synthese jener auf vielfältige Weise im Buch illustrierten Erscheinungen des Lachens steht die ornamentale Arabeske, das Vermischen von Menschlichem, Tierischem, Pflanzlichem, Gerätehaftem – hier Orientierung an Fraktalen – und Elemente des Dämonischen gegenüber, was als ‚grotesk’ bezeichnet werden kann. Es handelt sich um ein Prinzip, in dem die Ordnung der Natur aufgehoben ist – Statik, Symmetrie und natürliche Größenordnung traumhaft verwischt sind – und somit um den lautesten und sinnfälligsten Widerspruch gegen jeden Rationalismus und gegen jede Systematik des Denkens – demzufolge ist die groteske Arabeske ein Gegenpol zu jeder Wissenschaftlichkeit. Dieselbe Ambivalenz, die auch das Cosmo-Geschehen auszeichnet, findet sich in den Zeichnungen sowie in der eigens hierfür entwickelten Schrift und Typografie wieder, d.h. die spielerische Interaktion und Synthese von Antagonismen wie: Belebt – unbelebt (Eisblumenhaftigkeit), akademisch – ursprünglich (Erzähler vs. Bandwurm, Wechselspiel zwischen den Schriftarten) oder schwarz – weiß (Layout, Inversionen) etc.